2. bis 6. November 2015 

Das Missverständnis  (Le Malentendu)

Theaterstück von Albert Camus

Albert Camus gehört zu den bedeutendsten Philosophen, Essayisten, Dramatikern und Regisseuren des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1913 als Kind von Eltern französisch-spanischer Abstammung in der damals französischen Kolonie Algerien geboren. Sein Vater fiel gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges in der Marne-Schlacht, seine Mutter, Analphabetin und kommunikationsgestört, arbeitete als Fabriksarbeiterin und Putzfrau. Dank der Initiative seines engagierten Volksschullehrers wurde dem Jungen der Besuch des Gymnasiums ermöglicht und in weiterer Folge das Studium der Philosophie an der Universität Algier. Frühzeitig politisch engagiert - er gehörte kurze Zeit auch der kommunistischen Partei an - lebte er als Journalist und Essayist vorerst in Algier, dann in Paris. Zu seinen bedeutendsten philosphischen Werken zählen "Der Mythos des Sisyphos" und "Der Mensch in der Revolte". Seit gemeinsamen Tagen in der Résistance gegen die deutsche Besatzung verband ihn eine komplizierte Freundschaft mit Jean Paul Sartre, die in den fünfziger Jahren zerbrach. Dennoch wird sein philosophisches Werk dem Existenzialismus zugerechnet. Den literarischen Durchbruch erreichte er 1942 mit dem Roman "Der Fremde", gefolgt von "Die Pest". 1957 erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. "Das Missverständnis" wurde 1944 in Paris uraufgeführt, die deutschsprachige Erstaufführung erfolgte im November 1950, also vor 65 Jahren, in Stuttgart. Albert Camus starb 1960 bei einem Autounfall.

Inhalt 

Die Mutter und ihre Tochter Martha betreiben in einer trostlosen Gegend Böhmens eine bescheidene Fremdenpension. Sie träumen von einem schönen Leben in einer Gegend voller Sonne, Blüten und Meer. Um diesem Ziel näher zu kommen, ermorden sie vermeintlich wohlhabende Gäste und lassen ihre Leichen im Fluss verschwinden. Jan, der verloren geglaubte und zu Reichtum gekommene Sohn bzw. Bruder, mietet sich unter falschem Namen ein. Maria, seine Frau, rät ihm ab, er möchte jedoch Mutter und Schwester in ihrer Unbefangenheit kennenlernen und erkennen, wie er ihnen helfen kann. 

Vieles aus Camus Biographie fließt in das Stück ein. Seine Sehnsucht nach dem Süden, dem "Midi", seine Beziehung zur Mutter, die nicht mehr als 400 Wörter kannte, und die er innig liebte, sein Hang zur Einfachheit im Verbund mit seiner existentialistischen Philosophie der Absurdität des Lebens bilden die Grundlage für dieses Drama. Wie in einer griechischen Tragödie steht am Ende das Scheitern der Auflehnung gegen das Absurde.